ms Horse Blog Nr. 34 Im Fokus: Sinn und Unsinn von Bandagen und Gamaschen
ms Horse Blog – Oktober 2015
ms Horse Blog Nr. 34 Im Fokus:
Sinn und Unsinn von Bandagen und Gamaschen
Der vorige ms Horse Blog hatte das Thema Fruktangehalte im Gras. Wer diesen Blog nachlesen möchte, kann einfach hier klicken. Der neue ms Horse Blog im Monat Oktober beleuchtet das Thema Sinn und Unsinn des Einsatzes von Bandagen und Gamaschen.
Zunächst ist es wichtig zu klären, wofür überhaupt ein Schutz am Pferdebein angebracht werden soll. Neben den persönlichen Empfindungen der Reiter, ist der jeweilige Einsatzzweck des Beinschutzes und die damit einhergehenden Belastungen denen dieser dadurch ausgesetzt ist, ein entscheidendes Kriterium.
Natürlich gibt es Vertreter die ausschließlich Bandagen oder Gamaschen einsetzen und auch solche, die komplett auf einen Beinschutz verzichten. Zudem hängt der Einsatz des Beinschutzes vom Pferd und dessen Nutzung ab. Ein Dressurreiter nutzt einen anderen Beinschutz als ein Springreiter. Die Distanzreiter verzichten sogar komplett auf Gamaschen und Bandagen. Daher ist es oftmals eine Gewissensfrage, ob der Reiter sich für Bandagen, Gamaschen oder für gar keinen Beinschutz entscheidet. Vor dem Einsatz sollte sich der Reiter jedoch im Klaren sein, welche Auswirkungen Bandagen/Stallbandagen oder Gamaschen auf das Pferdebein haben.
In einer wissenschaftlichen Studie der medizinischen Hochschule Hannover wurde der Einsatz von Stallbandagen untersucht. Vor dem Hintergrund, dass Stallbandagen oftmals eingesetzt werden, um angelaufenen d.h. lymphödematösen Beine zu verhindern, wird diesem Einsatz durch die Studie eine klare Absage erteilt. Jede Form von Bandage/Verband hat negative Auswirkungen auf den Lymphfluss. In der Einleitung der Studie wird festgestellt, dass angelaufenen Pferdebeine nicht besorgniserregend sind und es daher keinen medizinischen Grund gibt auf Stallbandagen zurückzugreifen.
Wie wirkt nun eine Bandage auf das Pferdebein? Durch die Bandagierung wird das Gewebe im Bein komprimiert und es kann keine Wassereinlagerung stattfinden. Dadurch wird aber das Lymphsystem an seiner eigentlichen Aufgabe, dem Abtransport der Plasmaproteine behindert. Das Lymphsystem kann seiner eigentlichen Aufgabe, der Entsorgung, nicht mehr nachkommen und das Gewebe wird massiv und langfristig/chronisch geschädigt.
Häufig werden Bandagen und Gamaschen eingesetzt um das Pferdebein zu stützen. Diese zugeschriebene Stützfunktion ist jedoch ein Mythos, der nicht aus der Welt zu bekommen ist. Gamaschen und Bandagen können das Pferdebein zwar effektiv schützen aber nicht stützen. Deshalb sei vor jedem Einsatz geraten zu überdenken warum und wie der Beinschutz angebracht wird. Vor allem sollte der Hitzestau unter dem Beinschutz nicht vergessen werden. Demzufolge sollten Pferd auch nicht über längere Zeit mit Gamaschen auf die Koppel gestellt werden. Um den Hitzestau zu minimieren sollte umgehend nach der Bewegung der Beinschutz entfernt werden.
Nutzt Ihr Bandagen oder Gamaschen? Setzt Ihr Stallbandagen ein? Welche Beobachtungen konntet Ihr machen? Würdet Ihr auf den Einsatz eines Beinschutzes auch komplett verzichten? Wie sind Eure Erfahrungen? Ich freue mich über Kommentare und Anregungen, eure Lea Preisendanz vom ms Horse Team.
Fragen oder Anregungen? Treten Sie mit mir in Kontakt: l.preisendanz@horse-fitwell.de

