ms Horse Blog Nr. 35 Im Fokus: Die natürliche Schiefe des Pferdes
ms Horse Blog – Oktober 2015
ms Horse Blog Nr. 35 Im Fokus: Die natürliche Schiefe des Pferdes
Der vorhergehende ms Horse Blog hatte das Thema Sinn und Unsinn von Bandagen und Gamaschen. Um diesen Blog nachzulesen darf einfach hier geklickt werden. Der jetzige ms Horse Blog beschäftigt sich mit der natürlichen Schiefe des Pferdes.
Bei allen Säugetieren ist eine gewisse natürliche Schiefe zu beobachten. Beim Pferd ist somit auch eine Seite kräftiger ausgebildet als die andere. Diese Schiefe äußert sich negativ dadurch, dass eine Körperseite mehr belastet wird als die andere. In der Bewegung ist zu sehen, dass die Hinterbeine schräg an den Vorderbeinen vorbei fußen und nicht „einspuren“.
Ziel der dressurmäßigen Arbeit mit dem Pferd ist es, eine gleichmäßige Belastung der beiden Körperhälften zu erreichen. Zu bemerken ist ein korrekt geradegerichtetes Pferd daran, dass es sich auf beiden Seiten gleichgut biegen lässt. Dieses Ziel zu erreichen ist immens schwierig. Nicht umsonst ist die Geraderichtung der zweitletzte Punkt auf der Ausbildungsskala des Pferdes. Ist das Pferd geradegerichtet, ist dies die beste Voraussetzung um dem vorzeitigen Verschleiß einer bestimmten Körperhälfte entgegenzuwirken. Daher ist das vorrangig Ziel der Gymnastizierung die Geraderichtung des Pferdes um eine einseitige Überbelastung vorzubeugen.
Wie äußert sich die natürliche Schiefe des Pferdes überhaupt? Zu beobachten ist die Problematik der natürlichen Schiefe vor allem auf dem Zirkel hier ist zu bemerken, dass die Pferde dazu tendieren auf der linken Hand nach außen zu driften und auf der rechten Hand nach innen.
Ein Pferd, welches sich auf der linken Seite lieber biegen lässt als auf der rechten, hat hier seine scheinbare „Schokoladenseite“, diese Seite wird als hohle Seite bezeichnet. Seine Muskulatur ist auf der linken Körperhälfte kürzer als auf der rechten und es ist daher schon von Natur aus leicht nach links gebogen. Diesem Pferd fallen daher der Linksgalopp und Wendungen nach Links leichter. Durch diese Seitigkeit stützt sich das Pferd jedoch vermehrt auf das rechte Vorderbein. Die Biegung nach rechts fällt diesem Pferd wegen der verkürzten Muskulatur auf der linken Seite viel schwerer.
Beim Reiten auf der rechten Hand fühlt sich das Pferd steif an. Daher wird diese Seite als „Zwangsseite“ bezeichnet. Die verkürzte linke Körperhälfte lässt sich nur schwer biegen bzw. dehnen. Dem Pferd fällt es daher schwerer sich nach rechts zu biegen. Das Pferd tendiert in der Wendung über die rechte Schulter nach innen zu kommen. Der Grund hierfür ist, dass es sich immer noch auf das rechte Vorderbein stützt. Die Hinterhand des Pferdes schwenkt in höherem Tempo deutlich nach links aus, weil es sich um das rechte Vorderbein dreht.
Warum wurde nun die natürliche Schiefe ins Pferd von der Natur „eingebaut“? Das Pferd als Herden- und Fluchttier musste zum einen möglichst schnell vor Angreifern fliehen können und dann aber wieder zum Schutz vor den Raubtieren in die Herde zurückfinden. Von Natur aus wurde dem Pferd daher die Kurve eingebaut. Das Pferd flieht zwar zunächst geradeaus muss aber dann in einer (Links)Wendung wieder zurück zum Herdenverband gelangen. Daher ist die natürliche Schiefe nichts Böses, sondern von Natur aus vorgegeben und für das Pferd überlebenswichtig.
Wie ist Eure Erfahrung zur Schiefe des Pferdes? Wann bemerkt Ihr, dass euer Pferd extrem Schief wird und wie bekommt Ihr es gerade? Was habt Ihr ausprobiert um der natürlichen Schiefe entgegen zu wirken? Was war Euer größtes Aha-Erlebnis im Bezug zur natürlichen Schiefe? Was habt Ihr schon beobachten können? Welche Erkenntnisse konntet Ihr sammeln? Ich freue mich über Kommentare und Anregungen, eure Lea Preisendanz vom ms Horse Team. Fragen oder Anregungen? Treten Sie mit mir in Kontakt: l.preisendanz@horse-fitwell.de

