ms Horse Blog Nr. 41 Im Fokus: Reite dein Pferd vorwärts und richte es gerade!
ms Horse Blog – Dezember 2015
ms Horse Blog Nr. 41 Im Fokus:
Reite dein Pferd vorwärts und richte es gerade!
Der vorig ms Horse Blog beschäftigte sich mit der Frage: Was unterscheidet Reiter von Nicht-Reitern? Wer diesen ms Horse Blog gerne nachlesen möchte, kann einfach hier klicken. Dieser ms Horse Blog beleuchtet den von Gustav Steinbrecht (1808-1885) oft zitieren Satz: „Reite dein Pferd vorwärts und richte es gerade“.
Diese Aussage wird oft zitiert und leider häufig nicht richtig verstanden und umgesetzt. Zunächst liest sich der Satz einfach und es gibt zumindest sprachlich keinen Spielraum für etwaige Missverständnisse. Zudem sind keine Fremdwörter, die zu einer falschen Interpretation führen könnten in dem Satz enthalten. Leider ist die richtige Umsetzung des Satzes von Steinbrecht nicht oft anzutreffen. Ein wenig erfahrener Reiter ist durch diesen Satz verführt, in einem viel zu hohen Tempo mit einem auseinandergefallenen Pferd durch die Reithalle zu hetzen. Das ist genau nicht das Ziel welches Steinbrecht mit dem Satz aus seinem Buch „das Gymnasium des Pferdes“ erreichen wollte. Wie ist dieser Satz jedoch richtig zu verstehen und wie ist er im täglichen Reiten umzusetzen?
Steinbrecht meint mit dem ersten Teil seiner Aussage gerade eben nicht, das Pferd in einem viel zu schnellen Tempo in allen Gangarten durch die Bahn zu jagen. Vielmehr appelliert er den Reiter dafür Sorge zu tragen, bei allen Übungen die Schubkraft der Hinterhand und deren Tätigkeit zu erhalten. Interessant ist, dass dieser Satz sogar beim Rückwärtsreiten gilt. Erklären lässt sich das dadurch, das darunter das Bestreben zu verstehen ist, auch in der Rückwärtsbewegung die Last auf die Hinterhand zu bekommen. Das bestreben die Last nach vorne zu bewegen muss also auch beim Rückwärtsrichten stets erhalten bleiben.
Der zweite Teil des Satzes beschäftigt sich mit der Geraderichtung. Diese ist wichtig, um der natürliche Schiefe entgegen zu wirken und das Pferd gesund zu erhalten. Wer den ms Horse Blog Nr. 35 mit dem Thema: „Die natürliche Schiefe des Pferdes“ nachlesen möchte, kann einfach hier klicken. Interessant ist es, in diesem Zusammenhang die H.Dv. (Heeresdienstverordnung) 12 heranzuziehen, welche zur Geraderichtung die folgenden Reitvorschrift beinhaltet: „Das geradegerichtete, auf einem Hufschlag gehende Pferd soll sich stets mit der Längsachse seines Körpers der Hufschlaglinie anpassen, gleichviel, ob sie grade oder gebogen ist. Der Schub der Hinterhand wirkt nur dann in grader Richtung und voll gegen die Vorhand.“ So besagt auch Steinbrecht, dass er eben mit der Geraderichtung nicht das ungebogene Pferd auf der zu reitenden Linie meint, sondern dass selbst bei einer starken Biegung die Hinterhand der Vorhand folgen soll. Geraderichten hat also nichts mit Geradeausreiten zu tun. Ein geradegerichtetes Pferd ist daran zu erkennen, dass die Hinterhufe auch in der Biegung in die Spur der Vorderhufe greifen, das Pferd geht dann hufschlagdeckend. Die geraderichtende Biegearbeit ist im Pferdetraining unerlässlich um die Last gleichmäßig auf beide Hinterbeine zu verteilen und so das Pferd gesund zu halten.
Sicherlich habt Ihr den Satz von Steinbrecht schon oft gehört, wie steht Ihr jedoch zu dieser Aussage? Nehmt Ihr den Satz für bahre Münze und reitet nach ihm? Könnt ihr den Satz bedingungslos unterschreiben? Habt Ihr schon andere Erfahrungen gemacht? Wie arbeitet Ihr Eure Pferde? Habt Ihr spezielle Grundlagen auf die Ihr Euch stützt? Ich freue mich über Eure Kommentare und Anregungen, Eure Lea Preisendanz vom ms Horse Team. Fragen oder Anmerkungen? Treten Sie mit mir in Kontakt: l.preisendanz@horse-fitwell.de

