ms Horse Blog Nr. 29 Im Fokus: Die Rollkur

ms Horse Blog – August 2015

ms Horse Blog Nr. 29 Im Fokus: Die Rollkur

Der dritte ms Horse Blog im August rückt den Fokus auf das Thema Rollkur, welche auch unter dem Stichwort Hyperflexion oder LDR (Low, Deep and Round) bekannt ist. Der vorangegangene ms Horse Blog hatte die Ausbildungsskala des Reiters zum Thema. Wer diesen ms Horse Blog gerne nachlesen möchte, kann einfach hier klicken.

Das Wort Hyperflexion, was so viel heißt wie Überdehnung des Halses, hört sich zunächst nicht so negativ an. Versucht man jedoch selbst über längere Zeit den Kopf auf die Brust zu ziehen so bemerkt man relativ schnell, dass dies zu Schmerzen im Nacken führt. Zudem wird dadurch das Sehfeld stark eingeschränkt. Dieser Umstand ist für ein Pferd, das ja ein Fluchttier ist und daher einen Rundumblick zur Lebenssicherung benötigt, immens unangenehm.

Nachdem bei der aktuell stattfindenden Europameisterschaft in Aachen wieder beobachtet wurde, wie Pferde in Rollkurhaltung geritten werden, werden momentan Unterschriften für eine Petition das Rollkurreiten gesammelt. Ich bin gespannt, ob diese Unterschriftenaktion etwas bewirken wird, oder ob wieder alles beim Alten bleibt?

Schon vor fast 10 Jahren gab es eine Debatte zur Rollkur mit einer Expertenrunde, die von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung einberufen wurde. Hierbei war die einheitliche Aussage, dass es bei Anwendung der Rollkur durch Experten zu keinen Schädigungen am Pferd kommt, die wissenschaftlich belegbar wären. Gesundheitliche Schäden treten demnach nur auf, wenn unerfahrene Reiter die Rollkur anwenden.

Seither gab es mehrfach wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema Hyperflexion, die sich jedoch teilweise widersprechen. Beobachtet man Pferde die in Rollkurmanier geritten werden, kann man leicht eine Beurteilung vorgenommen werden, indem man einfache Kriterien zur Hand nimmt. Woran erkennt man ein losgelassenes Pferd, das sich auf dem richtigen Weg der Ausbildungsskala befindet und sich unter dem Reiter wohlfühlt? Eine solche Frage ist Standard bei den Prüfungen zum Reitabzeichen und auch von jedem Laien relativ leicht festzustellen. Ist ein ruhig pendelnder Schweif, ein waches, zufriedenes Auge, ein schwingender Rücken, eine gute Maultätigkeit und ein taktmäßiger Gang zu beobachten? Wenn ja, sind dies Anzeichen für ein gut gerittenes Pferd, das sich wohlfühlt. Es stellt sich also die Gegenfrage, ob diese Kriterien beim Rollkurreiten zu beobachten sind? Weiterhin tritt die Frage auf, ob das Reiten in Rollkurhaltung nicht gegen den Grundsatz des Tierschutzgesetz § 1 verstößt, wo es heißt, dass niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen darf?

Wie beurteilt Ihr die Hyperflexion? Was sind Eure Erfahrungen? Was habt Ihr an Pferden beobachtet, die mit überdehntem Hals geritten werden? Ich freue mich über Kommentare und Anregungen, eure Lea Preisendanz vom ms Horse Team.

Fragen oder Anregungen? Treten Sie mit mir in Kontakt: l.preisendanz@horse-fitwell.de