ms Horse Blog – Dezember 2014: Nr. 3: Im Fokus: Wer führt Wen? Oder: Was sagt Bodenarbeit und Führtraining über den Menschen aus?
ms Horse Blog – Dezember 2014:
Nr. 3: Im Fokus: Wer führt Wen? Oder: Was sagt Bodenarbeit und Führtraining über den Menschen aus?
Im Rahmen meiner Tätigkeit als Trainerin B war ich vor kurzer Zeit in einem Reitverein zum Vorbereitungslehrgang des Basispass Pferdekunde eingeladen. Meine Aufgabe war hierbei, den Prüfungsaspiranten vor allem das Führtraining näher zu bringen. Darüber hinaus war der Umgang mit dem Pferd, der im Rahmen der Prüfung gefordert wird, Bestandteil des Lehrgangs. Nachdem ich mit den Teilnehmern im Stall unter anderem das Ansprechen des Pferdes in der Box, das korrekte Putzen, Satteln und Zäumen, sowie den Umgang mit dem Pferd auf der Stallgasse geübt hatte, ging es in der Reithalle mit dem Führtraining weiter.
Für den Basispass sind die Anforderungen für das Führtraining auf dem Niveau der Stationsprüfungen der Bodenarbeit des RAZ 6 und 7. Hier wird unter anderem gefordert mit dem Pferd über Schrittstangen zu gehen, das Pferd von beiden Seiten zu Führen, Tempo- und Gangartwechsel zu zeigen, Hufschlagfiguren zu führen, Seitenwechsel im Halten vorzunehmen, sowie Slalom um Pylone zu laufen.
Nachdem ich mit einem der Schulpferde die Aufgabe vorgeführt hatte, waren die Lehrgangsteilnehmer an der Reihe. Hierbei war es hoch interessant, wie sich die Pferde bei den unterschiedlichen Teilnehmern verhielten. Interessant wurde es schon allein deshalb, weil die Lehrgangsteilnehmer sehr unterschiedliche waren. Der Teilnehmerkreis umfasste das aufgeweckte 7-jährige Kind, die voll in der Pubertät stehende 14-jährige Schülerin, sowie die ängstliche 40-jährige Mutter.
Mir wurde schnell klar, warum die in vielen Medien beworbenen Managerseminare für Führungskräfte, die für viel Geld an den Mann gebracht werden, funktionieren. Ganz einfach deshalb, weil Pferde nicht bestechlich sind und das Verhalten der Menschen unverblümt widerspiegeln. Führen oder geführt werden, das war hier die Frage! Zu beobachten war, dass das Pferd alle geforderten Aufgaben problemlos absolvierte sofern der Mensch seine Führungsrolle einnahm. Sah das Pferd jedoch in dem Menschen an seiner Seite keine sichere Führperson, musste es seiner Natur zur Folge, zwangsläufig die Führung selber übernehmen, da ansonsten sein Überleben in der freien Wildbahn nicht gewährleistet wäre.
Für den täglichen Umgang mit dem Pferd bedeutet das, dass der Mensch sich immer wieder reflektieren sollte um zu überprüfen, welche Rolle er neben seinem Pferd einnimmt. Schon alleine um Unfälle zu vermeiden hat der Mensch die Aufgabe, die Führung zu übernehmen. Daher ist es von großer Bedeutung sich seiner Körpersprache bewusst zu sein und sich immer wieder zu hinterfragen, wie die Außenwirkung ist. Dies gilt natürlich nicht nur gegenüber dem Pferd sondern auch gegenüber unseren Mitmenschen. Der Umgang mit dem Pferd schärft deshalb die Selbstwahrnehmung. Beobachten Sie doch einfach Ihre Stallkollegen und sich selbst, wie geführt wird und wer wen führt.
Getreu dem Motto:
Ärgere dich nie über dein Pferd,
du könntest dich ebenso über dein Spiegelbild ärgern…
Es grüßt Sie Ihre Lea Preisendanz vom ms Horse Team
Fragen oder Anregungen? Treten Sie mit mir in Kontakt: l.preisendanz@horse-fitwell.de

